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Wenn Stille gefährlich ist

7. Okt.
3 Min. Lesezeit
2 Hände zu einer Schale geformt

Stille wird oft als etwas Schönes beschrieben. Als beruhigend, erdend, regenerierend. Für manche Menschen stimmt das, für andere nicht. Für manche wird Stille gefährlich.

Manche werden unruhig, sobald es still wird. Dann werden die Gedanken lauter, der Körper wacher, angespannter, nervöser. Andere merken eher, dass sie wegdriften, müde werden oder sich innerlich zurückziehen. Und manchmal ist Ruhe tatsächlich einfach nur Ruhe.

Das Spannende ist, dass unser Nervensystem Stille ganz unterschiedlich bewerten kann. Es hängt davon ab, was es im Laufe des Lebens gelernt hat.

Wenn ein Nervensystem eher auf Aktivität und Wachsamkeit eingestellt ist, kann Innehalten sich unsicher anfühlen, als dürfe man nicht lockerlassen oder als müsse man aufmerksam bleiben.

Bei anderen Menschen fühlt sich Ruhe nicht nach Entspannung an, sondern eher nach Rückzug oder Abschalten. Sie werden still, aber innerlich nicht ruhiger. Es ist eher ein Verschwinden.

Und dann gibt es natürlich auch die Erfahrung, dass Stille wohltuend ist. Dass man merkt: Ich kann hier sitzen, ich muss gerade nichts tun, und das fühlt sich gut an.

Wenn Stille für dich schwierig ist, hilft es erstmal herauszufinden, was genau passiert.

Was merkst du in deinem Körper, wenn es ruhig wird?

Wirst du unruhig? Entsteht Anspannung? Willst du sofort etwas tun? Wirst du müde oder irgendwie weit weg? Gibt es Situationen, in denen Ruhe leichter ist als in anderen?

Vielleicht macht es einen Unterschied, wo du bist (zum Beispiel draußen, drinnen, ein bestimmter Platz, mit/ohne Musik…)

Unser Nervensystem reagiert auf solche Dinge, nur wir merken es oft nicht bewusst.


Deshalb kann es hilfreich sein, sich Stille nicht als etwas vorzustellen, das entweder da ist oder nicht da ist. Es gibt viele Zwischenstufen.

Vielleicht bist du nicht völlig ruhig, aber ein bisschen langsamer. Vielleicht kannst du ein paar Sekunden sitzen bleiben, ohne direkt zum Handy zu greifen. Vielleicht merkst du deinen Atem, bevor du wieder etwas machst.

Es müssen keine zehn Minuten Meditation sein. Für manche Menschen sind schon ein paar Sekunden genug.


Eine kleine Übung

Wenn Stille schwierig ist, kann es helfen, nicht gleich bei der Stille anzufangen, sondern erstmal beim Getragensein. Und selbst wenn Stille leicht ist, kann es sinnvoll sein, beim Getragensein anzufangen. 😊


Setz dich gerne bequem hin und spür dein Gewicht auf dem Stuhl. Versuch nicht, etwas Bestimmtes zu fühlen. Es ist ok zu denken - es ist ok nicht zu denken. Nimm einfach wahr, wo dein Körper den Stuhl und den Boden berührt.

Dann schau, ob du dein Gewicht ein kleines bisschen mehr an den Stuhl und den Boden abgeben kannst. Vielleicht merkst du dabei auch, dass irgendwo noch etwas festhält, zum Beispiel der Kiefer, die Schultern oder der Atem. Schau, ob dein Körper etwas mehr loslassen kann: der Stuhl trägt dich, der Boden trägt dich. Lass dir Zeit.

Und dann dreh die Wahrnehmung einmal um: Du berührst den Stuhl, und der Stuhl berührt auch dich. Deine Füße berühren den Boden, und gleichzeitig berührt der Boden dich.

Für viele ist es ein sehr emotionaler Moment, zu wissen, dass sie getragen werden, dass sie berührt werden.

Wenn sich das angenehm anfühlt, kannst du von dort aus langsam mehr von deiner Umgebung wahrnehmen. Geräusche, Licht, Temperatur - so viel, wie gerade angenehm ist.

Du musst dabei nichts erreichen. Es gibt auch kein richtig oder falsch. Vor allem gibt es KEIN TUN. Es geht um ein Empfangen: Da ist etwas, das mich trägt, das mich berührt und von dort aus kann die Welt auf mich zukommen.

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