top of page

Trauma verstehen reicht nicht

  • 20. Juli
  • 3 Min. Lesezeit
Frau, die entspannt aus dem Fenster schaut

Du kannst sehr viel über Trauma wissen. Du kannst deine Muster kennen, deine Reaktionen erklären und genau verstehen, warum du in bestimmten Situationen so reagierst. Trotzdem verändert sich dadurch nicht automatisch etwas.


Trauma verstehen reicht nicht, weil dein Körper nicht nur auf Erkenntnisse reagiert. Er reagiert auf Erfahrungen. Er reagiert darauf, ob du dich sicher fühlst, ob du dich zeigen darfst und ob ein Gegenüber da ist, das nicht bewertet, erklärt oder sofort etwas verändern möchte.


Warum Trauma verstehen reicht nicht - es löst allein keine Veränderung aus

Es geht nicht darum, noch mehr zu machen, um irgendwann endlich richtig zu sein. Du musst dich nicht verändern. Du bist, wie du bist, und du darfst so sein, wie du bist.

Viel wichtiger ist die Frage, was in diesem Moment tatsächlich in dir los ist. Dabei geht es nicht um die Gedanken, die sofort auftauchen und eine Erklärung liefern. Es geht um deine Gefühle und um das, was du in deinem Körper wahrnimmst.

Vielleicht ist da Trauer, Wut oder Angst. Vielleicht zieht sich etwas in dir zusammen, dein Atem wird flacher oder dein Körper spannt sich an. Diese Reaktion ist real. Die Geschichte, die dein Kopf daraus macht, muss deshalb noch lange nicht stimmen.

Du kannst prüfen, ob das, was du gerade empfindest, tatsächlich zu der Situation im Außen passt. Gibt es gerade einen wirklichen Grund für deine Angst, deine Wut oder deine Trauer? Oder reagiert dein System auf etwas sehr Altes, das früher einmal notwendig war, damit du zurechtkommst oder überleben konntest?

Dein Körper und dein System haben gut für dich gesorgt. Die Schutzmechanismen, die dich heute einschränken, waren früher sinnvoll. Sie haben dir geholfen, schwierige Situationen zu überstehen.

Heute bist du erwachsen und kannst für dich sorgen. Dein System wiederholt trotzdem weiterhin alte Schutzmechanismen, weil es dich schützen möchte. Es hat noch nicht verstanden, dass du erwachsen bist. Was damals hilfreich war, hält dich heute oft klein.

Dann passt du dich an, spielst eine Rolle oder sagst nicht, was wirklich in dir los ist. Du überlegst, was andere von dir erwarten, und verlierst dabei den Kontakt zu dir selbst.

Veränderung beginnt dort, wo du wahrnimmst, was gerade in dir passiert, und es deinem Gegenüber mitteilst. Du musst dafür keine Lösung haben. Du kannst sagen, dass du gerade unsicher wirst, dass du Angst bekommst, dass dich etwas traurig macht oder dass dein Körper sich anspannt.

Damit zeigst du dich, wie du in diesem Moment bist.

Dafür braucht es deine eigene Wahrnehmung. Du musst überhaupt erst merken, welche Gefühle und Körperempfindungen gerade da sind. Gleichzeitig braucht es ein Gegenüber, bei dem du das zeigen darfst. Einen Menschen, der nicht sofort bewertet, erklärt oder etwas wegmachen möchte.

Wenn du sagen kannst, was in dir los ist, und der andere bleibt da, macht dein System eine neue Erfahrung. Du musst dich nicht verstecken. Du musst dich nicht anpassen, damit der Kontakt bestehen bleibt. Das Gleiche gilt übrigens auch für dein Gegenüber. Seine Gefühle und seine Wahrnehmung dürfen da sein. Deine ebenso. Es geht nicht darum, wer recht hat. Es geht darum, dass beides da sein darf.

Die Körperreaktion ist echt. Die Geschichte, die dein Kopf daraus macht (Gefahr im Hier und Jetzt), muss deshalb noch lange nicht stimmen.

Trauma verstehen reicht nicht. Du brauchst neue, positive Erfahrungen. Du kannst prüfen, ob deine Angst, deine Wut oder deine Trauer wirklich zu dem passt, was gerade im Außen passiert. Vielleicht reagiert dein Körper auf eine alte Erfahrung und versucht noch immer, dich auf dieselbe Weise zu schützen wie damals.

Du musst kein anderer Mensch werden.

Du musst nichts wegmachen.

Du musst nicht heilen, bevor du leben darfst.

Du darfst wahrnehmen, was in dir ist. Und du darfst es zeigen.

Ich glaube, dass genau dort etwas beginnt, das kein Buch, keine Methode und keine Erkenntnis allein bewirken kann. Wenn du neugierig geworden bist und herausfinden möchtest, wie sich das in der Praxis anfühlt, melde dich gern bei mir. Ich freue mich auf dich.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page