Selbstoptimierungswahnsinn
- Claudia
- 1. Aug.
- 1 Min. Lesezeit

Ich will 6 Kilo abnehmen.
Zwei davon wollte ich seit Jahren loswerden. Hat nicht geklappt. Dafür hab ich in zwei Monaten vier neue gesammelt.
Jetzt steh ich da. Mit sechs. Und ’nem schlechten Gewissen obendrauf.
Was ich mache?
Weiterfressen.
HIIT? Ausgelassen. Beckenboden? Gestrichen. Atmen? Falsch. Entspannen? Haha. Vitamin D? Vergessen. Vitamin B? Vielleicht B wie Bullshit. Folsäure? Liegt im Schrank. Neben meinem Idealbild. Omega 3, Proteinpulver, Kollagen...Ich spare uns den Rest.
Und dann sagen sie: „Das sind doch nur Kleinigkeiten. Mach doch jeden Tag fünf Minuten.“
Fünf Minuten hier, zehn da und plötzlich arbeite ich 8 Stunden an mir selbst.
Neben meinem eigentlichen Job.
Selbstoptimierung - die schönste Falle der modernen Zeit?
Ich steh morgens auf und hab schon versagt. Nicht meditiert, nicht bewegt, nicht perfekt geatmet.
Die Struktur soll mir helfen? Sie macht mich fertig.
Ich will nicht NOCH besser funktionieren. Ich will mich endlich wieder spüren. Nicht als wandelnde To-do-Liste, sondern als Mensch.
Und jetzt kommt’s: Ich soll diesen ganzen Selbstoptimierungs-Irrsinn auch noch auf LinkedIn kommentieren, um Kunden zu gewinnen.
Stell dir das mal vor. Ich schaff’s nicht mal, mein Magnesium regelmäßig zu nehmen, aber ich soll clever in die Kommentarspalte grätschen, während mein Nervensystem längst „Game Over“ ruft.
Ich schreibe das hier nicht, um Tipps zu geben. Nicht, um irgendwen zu motivieren. Und schon gar nicht, um zu performen.
Ich schreibe das, weil es einfach so ist. Weil es raus musste.
Weil ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die morgens aufwacht und sich im eigenen System verliert.
Vielleicht geht’s dir auch so. Und falls ja, dann weißt du: Es geht nicht um Disziplin. Sondern um Würde.
Kommentare